Der digitale Wandel bringt Turbulenzen und Chancen mit sich: Themen, die noch vor wenigen Jahren beinahe ausschließlich hinter verschlossenen Türen diskutiert wurden, sind spätestens seit dem World Economic Forum 2016 und dessen Schwerpunkt „Vierte Industrielle Revolution“ auf der Agenda von Entscheidern. Wie nutzen wir neue Technologien, neue Modelle und neue Spielregeln?

Rück- und Ausblick

Im April 2008, vor ziemlich exakt zehn Jahren, lasen wir in der WirtschaftsWoche unter der Überschrift „Total digitale Produktion“ folgenden Abschnitt1: „[… ] alles Weitere regelt das IT-System weitgehend von selbst: Es erstellt eine Dispositionsliste für den Einkauf, konfiguriert den Produktionsprozess und plant die Personalkapazität. Automatisch reicht es die Daten sowohl an das Manufacturing Execution System weiter, das die Durchlaufzeiten, Maschinenauslastung, Produktausbeute und Qualität überwacht, als auch an das ERP-System. Kurzum: Es optimiert den Ressourceneinsatz eines Unternehmens. Niemand braucht die Daten ein zweites Mal zu erfassen, umzuschreiben und neu einzugeben.“ Und wir erfuhren: „Das Beispiel ist Fiktion“. Zehn Jahre später sind das völlig selbstverständliche Abläufe.

Blicken wir im Jahr 2018 in die Glaskugel, finden wir Entwicklungen und Technologien, die Begriffe wie „Industrie 4.0“ nicht nur endlich greifbarer werden lassen, sondern den Wandel in der digitalen Produktion erst möglich machen. Unsere und Ihre Kunden und Partner erwarten, dass Fragen und Antworten rund um die Industrie 4.0 weniger in internen und externen Thinktanks diskutiert werden, sondern dass sich mehr Rollen und Funktionen im Unternehmen für die Umsetzung der Digitalisierung zuständig fühlen.

Lassen Sie uns gerne drei dieser Entwicklungen und Technologien betrachten:

Erstens: Internet of Things

Intel zählt in seinem „A Guide to the Internet of Things: How Billions of Online Objects are Making the Web Wiser“2 satte 200 Milliarden intelligenter Objekte – von sehr kleinen Chips bis zu sehr großen Maschinen – die im Jahr 2020 drahtlos miteinander und mit uns kommunizieren werden. Das macht etwa 26 dieser intelligenten Objekte für jeden Erdbewohner.

„A Guide to the Internet of Things: How Billions of Online Objects are Making the Web Wiser“2 Infographic 

Diese intelligenten Objekte werden die notwendigen Daten liefern, um Lagerbestände in Echtzeit zu bestimmen, Maschinen und Anlagen steuern, Kosten sparen und Leben retten. Intel bezieht sich auf das McKinsey Global Institute und die New York Times und beziffert die weltweite Wertschöpfung der Internet-of-Things-Technologie im Jahr 2025 auf mehr als sechs Billionen US-Dollar.

Zweitens: Automation

Der weltweite Einsatz von Robotern wird von heute bis 2030 um etwa 2.000 Prozent steigen. Das Nachrichtenportal Business Insider prognostiziert einen globalen Markt von etwa 190 Milliarden US-Dollar3 – was einen riesigen Markt bedeutet, der das Potenzial hat, uns und unseren Kunden das Leben deutlich einfacher zu machen.

„Der weltweite Einsatz von Robotern wird von heute bis 2030 um etwa 2.000 Prozent steigen.“3 Business Insider Consumer and Office Robot Market

Zugegeben, auf dem Weg dorthin wird es mehrere ernsthafte Hürden geben: Zum einen neigen wir dazu, allzu menschenähnliche Roboter seltsam zu finden, zweitens wird die verfügbare Technologie auch weiterhin sehr teuer sein und drittens sind Fragen rund um die Privatsphäre und den Schutz geistigen Eigentums nicht geklärt.

Wann und wie wir diese Hürden überwinden, wird die Entwicklung der nächsten Jahre zeigen. Spannende Initiativen wie der 3D-Druck einer Fußgängerbrücke aus Stahl in Amsterdam3 beweisen, wie mit Roboter-Unterstützung künftig effizient, preiswert und sicher konstruiert werden kann.

Drittens: Schnittstellen

Tom Goodwin betont im TechCrunch-Beitrag „The Battle is for the Customer Interface“5 die Wichtigkeit der Schnittstelle zwischen Angebot und Nachfrage. Soziale oder Verkaufs-Plattformen bilden eine hauchdünne Schnittstelle zwischen Ihnen und Ihren Prozessen einerseits – dort, wo die Kosten zu Hause sind – und einer oft unüberschaubaren Zahl Ihrer Kunden am Ende der Logistikkette andererseits – dort, wo die Erlöse zu Hause sind.

„The Battle is for the Customer Interface“5 Tom Goodwin The Battle Is For The Customer Interface

Unternehmen wie Nestlé legen Wert auf die ständige Kontrolle über alle „Schichten“: Forschung, Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb. Das bietet alle Möglichkeiten, die Erlöse im Unternehmen zu halten. Hersteller müssen entwickeln, testen, produzieren und liefern. Plattformen wie Amazon oder Facebook hingegen bieten ’nur‘ den Marktplatz für Produkte und Inhalte.

Status Quo Industrie 4.0

Das World Economic Forum veröffentlichte im Januar den „Readiness for the Future of Production Report“6 und führt darin aus, wie gut Regionen und Länder auf die Industrie 4.0 vorbereitet sind und wer Produktionssysteme wie weit in Richtung Industrie 4.0 zu transformieren in der Lage ist. Der Bericht beschreibt unter anderem, dass bisher niemand das volle Potenzial der Industrie 4.0 ausgeschöpft hat und die neuen Technologien die Kosten-Nutzen-Relation für die Verlagerung von Produktionsaktivitäten verändern und die Attraktivität von Standorten beeinflussen werden.

Quellen

1    Wirtschaftswoche: Total digitale Produktion

2    Intel: Guide to IoT Infographic

3    Business Insider: Consumer and Office Robot Market

4    Gudrun von Schoenebeck: Stahlbrücke in Amsterdam von Robotern ausgedruckt

5    Tom Goodwin: The Battle Is For The Customer Interface

6  World Economic Forum (Hrsg): Readiness for the Future of Production Report 2018